Laktoseintoleranz & wie ich damit lebe

9/09/2014

Gefühlt nimmt sie immer mehr zu - Laktoseintoleranz! Bei Verdauungsbeschwerden ist es meist das Erste, das einem in den Kopf kommt. Woran man sie wirklich erkennt, wie man sich darauf testen lässt und als Betroffener damit lebt, wollte ich euch heute etwas näher vorstellen.



Was ist Laktoseintoleranz überhaupt?

Laktoseintoleranz wird durch das Fehlen oder die zu geringen Produktion des Enzyms Lakatse hervorgerufen. Laktase ist ein Enzym, das in der Dünndarmschleimhaut gebildet wird und dort die Laktose (Milchzucker) aus den Milchprodukten aufspaltet. Laktose ist ein Zweifachzucker, der in seine einzelne Bestandteile aufgespalten werden muss, bevor der Körper diesen aufnehmen kann. Dies ist die Aufgabe der Laktase. Fehlt dieses Enzym, kann die Laktose nicht aufgespalten werden und somit nicht aufgenommen werden. Die Laktose gelangt unverdaut in den Dickdarm. Im Dickdarm angekommen, wird die Laktose von den dort ansässigen Bakterien verzehrt - die lieben Zucker! In Folge davon kommt es zu Gärprozessen und somit zu den bekannten Symptomen, wie Bauchschmerzen, Blähungen, einen dicken harten Bauch oder auch Durchfall. 



Woran erkenne ich, dass ich Laktoseintoleranz habe?

Die Symptome sind wie so oft vielfältig und je nach Schwere der Erkrankung unterschiedlich. Bauchschmerzen, Durchfall und Übelkeit können für viele Erkrankungen im Magen-Darm-Bereich oder auch psychische Probleme Symptome sein. Etwas, was immer hilft den Beschwerden auf den Grund zu gehen, ist ein Ernährungstagebuch zu führen und aufzuschreiben nach welchen Speisen die Beschwerden in welcher Form auftreten. Dies wird auch dem Arzt helfen die Symptome richtig zu deuten, denn viele Ärzte untersuchen eine solche Unverträglichkeit erst sehr spät, sodass Betroffene oft eine sehr lange Durststrecke mit unangenehmen Symptomen vor sich haben. Im Zweifel sollte man selbst den Arzt darauf hinweisen, das man selbst diesen Verdacht hat und auf eine Klärung des Verdachts bestehen. Ratsam wäre auch im Vorfeld eine gewisse Zeit lang auf Laktose zu verzichten und zu beobachten, ob die Symptome verschwinden. 



Wie wird eine Laktoseintoleranz festgestellt?

Gängige Verfahren sind hier der H2-Atmentest oder eine Blutzuckeruntersuchung. Bei beiden Verfahren wird eine gewisse Menge Laktose in Wasser aufgelöst und nüchtern getrunken. Im Anschluss wird in gewissen zeitlichen Abständen die Reaktion des Körpers gemessen. Bei dem H2-Atmen-Test wird dazu in ein Gerät gepustet, das den Wasserstoffgehalt des Atmes misst. Der Wasserstoff entsteht, wenn die Laktose im Darm von den Bakterien zersetzt wird. Steigt der Wert im Laufe der Untersuchung, liegt eine Unverträglichkeit vor. Beim Bluttest dagegen wird der Blutzuckerspiegel in verschiedenen Abstandes gemessen. Steigt der Blutzuckerspiegel hier nicht über einen gewissen Wert, liegt eine Unverträglichkeit vor. Dadurch, dass der Zucker nicht resorbiert werden kann, steigt der Blutzuckerspiegel nicht ausreichend an. 



Wie wirkt sich eine Laktoseintoleranz auf meine Ernährung aus?

Laktoseintoleranz ist anders als Lebensmittelallergien nicht lebensgefährlich. Übelkeit, Durchfall und Bauchschmerzen sind zwar wirklich extrem unangenehm, aber schlimmere Folgen müssen nicht erwartet werden. Um die Symptome vermeiden zu können, müssen viele Milchprodukte durch andere Produkte getauscht werden oder Laktasetabletten zum Essen genommen werden.


Laktoseintoleranz und laktosefreie Produkte sind im Moment so etwas wie eine Modeerscheinung, aber dadurch gibt es auch eine große Auswahl an Produkten. Fast jeder Lebensmittelladen hat bereits teurere und weniger teurere Produkte in seinem Sortiment. Die Auswahl an Produkten ist jedoch recht groß. Es gibt nicht nur Milch, Joghurt, Quark, Sahne oder Schmand, sondern mittlerweile auch Joghurtdrinks, Käse, Süßwaren oder Antipasti, die laktosefrei hergestellt werden.


Weiterhin gibt es noch die Möglichkeit auf Soja-Produkte zurückzugreifen. Auch hier gibt es mittlerweile eine große Auswahl an Produkten. Was bei Soja-Produkten allerdings beachtet werden muss ist, dass sie anders als lactosefreie Produkte einen eigenen Geschmack bzw. Nachgeschmack haben. Dies ist sicher nicht jedermanns Fall :) Bei der Verwendung von laktosefreien Produkten sollte man dagegen beachten, dass sie oft süßer schmecken als "normale" Produkte. Dies ist der Fall, weil die Laktose vorab aufgespalten wird und in Form von Glucose und Galactose vorliegt. Dies schmeckt einfach süßer - heißt aber nicht, dass die Produkte mehr Kalorien oder ähnliches haben.

Ein Knackpunkt ist auf jeden Fall der Preis von laktosefreien Produkten. Oft kosten diese einfach viel mehr, als die "normale" Variante. Um auch die "normalen" günstigeren Produkte verzehren zu können, kann auf Laktasetabletten zurückgegriffen werden. Diese enthalten das fehlende Enzym. Nimmt man diese Tabletten vor bzw. zum Essen, wird die Laktose rechtzeitig gespalten und eine normale Verdauung des Milchzuckers ist möglich. Diese Tabletten gibt es zum Schlucken oder Kauen - je nach Vorliebe :)

Natürlich gibt es auch die Tabletten in verschiedenen Preisklassen, da muss man sich einfach mal umschauen. Ich kaufe meine bei dm und habe sowohl die Kau- als auch die Schluckvariante. Zu beachten ist hier die Menge des enthaltenen Enzyms, daher kann es manchmal nötig sein zwei Tabletten statt einer zu einer sehr milchhaltigen Mahlzeit zu nehmen. Leider funktioniert das nicht immer gut und muss ausgetestet werden. Es gibt nach wie vor Speisen, die ich auch mit Tabletten nicht gut vertrage. Eis oder Nudeln mit Sahnesauce kommen leider selten gut an.. Aber zum Ausgehen oder Auswärtsessen sind die Tabletten die beste Lösung!

Aber generell gilt: testen - testen - testen! Die meisten Menschen haben noch eine gewisse Toleranz gegenüber Laktose und können kleine Mengen durchaus vertragen. Da bleibt einem aber nichts anderes übrig als sich auszuprobieren :) Auch haben manche Milchprodukte von Natur aus wenig Laktose und müssen nicht unbedingt ausgetauscht werden. Ein Beispiel hierfür ist Parmesan oder andere Hartkäsesorten. Aber wie sagt man so schön: probieren geht über studieren :)


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9 Kommentare

  1. Ich habe auch eine Laktoseintoleranz. Darüber mache ich mir aber schons seit über einem Jahr schon keine Gedanken mehr. Dank veganer Ernährung kommen mir ja sowieso keine Milchprodukte mehr unter!

    Hartkäsesorten wie Parmesan haben doch gar keine Laktose mehr... !?!?

    Aus Erfahrung kann ich sagen, dass ich frische Milch-Produkte (Quark, Joghurt, Frischkäse, Eis!!!) nicht vertragen habe, aber Dinge mit einem geringeren Anteil von Laktose (Schokolade, Gauda, Süßwaren im Allgemeinen) ohne Probleme vertragen habe!

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    1. Deswegen war der Parmesan ja auch ein Beispiel für Produkte, die von Natur aus wenig Laktose haben ;) Laktose ist schon noch im Hartkäse, aber so wenig, dass es meistens gut vertragen wird. Aber Joghurt & Co. enthalten natürlich viel mehr Laktose.
      Schokolade und Süßwaren? Ich kann nur Zartbitter essen. Alles andere führt zu einer Ein-Tages-Schwangerschaft :P
      Vegane wäre für mich trotzdem nichts.. Entweder hatte ich bis jetzt nur ekeliges Soja-Zeug oder es schmeckt mir einfach nicht ;)

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    2. Ein-Tages-Schwangerschaft!! :D :D :D
      Also ich finde den Alpro Sojajoghurt total lecker.

      Bei Milch und Sahne greife ich gerne auf Hafer zurück. Mag ich lieber und ich möchte meinen Sojakonsum auch nicht überhand nehmen lassen!
      :D

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  2. In der Pubertät hatte ich abnormale Migräne was der Arzt auf Laktose zurückgeführt hat. Abnormal war meine Migräne deshalb weil meine Nerven Bahnen nicht richtig funktioniert haben. kribbeln Taubheitsgefühl eingeschränktes Sichtfeld Gleichgewichtsstörung Bis ich tlw sogar nicht mehr sprechen konnte.
    Allerdings hat sich das angeblich verwachsen aber ich werde noch mal darauf achten.
    Danke für den Beitrag

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  3. Schöner Beitrag. Das sollten einige mal lesen. Ich kenne so viele Leute die wegen "leichter Übelkeit" und "gelegentlichem Durchfall" mal zum Arzt gegangen sind und eine Laktose Intoleranz festgestellt wurde. Nun hatten die betroffenen aber bei hohem Milch/ Joghurt/ Käse Konsum vorher nur leichte Beschwerden und meiden jetzt schon Produkte wo auch nur "Spuren von Milch" enthalten sein könnten. Dabei müssten sie sich das Leben garnicht unnötig schwer machen und einfach mal wie du schon sagst, testen =)

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  4. Ein schöner Artikel zu dem Thema! Ich habe auch eine Laktoseintoleranz und bin froh, dass es mittlerweile so viel Auswahl an laktosefreien Lebensmitteln gibt bzw. die Bezeichnung auf den meisten Produkten schön zu erkennen ist. Das macht den Einkauf viel leichter. LG Amysa

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  5. Mir geht es ähnlich, meinen Kindern auch. Bloß bei denen ist es nicht nur der Milchzucker, sondern auch das Milcheiweiss. Ich habe damit weniger Probleme, wobei das auch schwankt. Derzeit kann ich auch mal einen Eiweissshake im Studio trinken, es gibt aber auch Zeiten, da geht das überhaupt nicht.
    Schöner Artikel!

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  6. Ein wirklich sehr interessanter Artikel, danke dafür!
    Ich will mich demnächst auch mal testen lassen, da ich mich nach so ziemlich jeder Mahlzeit (ich esse recht viele Milchprodukte) schlecht fühle.

    Liebe Grüße,
    Mindbroken

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  7. Phew, it must be really difficult at first to adjust to this lifestyle! But I guess then it becomes a habit. It always surprised me just how many things actually contain lactose.

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